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Klimawandel

Landessynode Mai 2008: Schwerpunktthema "Bewahrung der Schöpfung"

Landeskirche startet „Klimaoffensive“

Speyer. Die Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) startet eine „Klimaoffensive“. Ziel ist es, den Energieverbrauch in den kirchlichen Gebäuden deutlich zu senken. Eine entsprechende Resolution beschloss die Landessynode an ihrem zweiten Verhandlungstag mit dem Schwerpunkt „Bewahrung der Schöpfung“.

Um die in der Klimaoffensive formulierten Ziele zu erreichen, soll Schritt für Schritt in der gesamten Landeskirche ein Energiemanagement eingeführt werden. „Es ist zu befürchten, dass der Klimawandel die Armen auf unserem Planeten besonders hart treffen wird. Untersuchungen machen deutlich, dass Veränderungen umgehend notwendig sind, um die katastrophalen Folgen des Klimawandels zu vermeiden oder zu mildern“, heißt es in der Beschlussvorlage, die von Oberkirchenrat Gottfried Müller und Oberkirchenrätin Karin Kessel eingebracht wurde.

Ökologie und Ökonomie seien kein Widerspruch, erklärt die Umweltbeauftragte der Landeskirche, Bärbel Schäfer. Allein durch eine Veränderung des Nutzerverhaltens ließen sich 15 Prozent des Energieverbrauchs einsparen. Mit Energieberatung und Energiemanagement sowie möglichen Investitionen in entsprechende Technologien seien längerfristig 20 bis 25 Prozent der Energiekosten einzusparen, so Oberkirchenrat Gottfried Müller.

Die Klimaoffensive sieht unter anderem den Einsatz von eigens geschulten „Energiebeauftragten“ in den Kirchengemeinden vor. Sie sollen sowohl den Verbrauch erfassen als auch darauf achten, dass nicht zu viel Energie verbraucht wird. Zur Vorbereitung von Investitionen sei eine Energieberatung unerlässlich, heißt es in der von der Landessynode beschlossenen Klimaoffensive weiter. Bevor kirchliche Immobilien energetisch saniert würden, müssten sie untersucht und der Einsatz und die Gewinnung regenerativer Energie geprüft werden. Die notwendige Kosten-Nutzen-Analyse für investive Maßnahmen soll von entsprechend qualifizierten Energieberatern durchgeführt werden. Amortisieren sich die vorgeschlagenen Maßnahmen innerhalb eines Zeitraums von 10 bis 15 Jahren, könne ein Antrag auf Mitfinanzierung gestellt werden, so der Beschluss.

Darüber hinaus ermutigt die Landessynode Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen weiterhin, an dem Umweltmanagement „Grüner Gockel“ teilzunehmen. Als erste Gemeinden in der Evangelischen Kirche der Pfalz erhalten die protestantische Kirchengemeinde Ellerstadt und die Matthäuskirchengemeinde Landau-Wollmesheimer Höhe das Zertifikat „Der Grüne Gockel – Kirchengemeinde mit umweltgerechtem Handeln“.

Zudem beteiligen sich das Protestantische Bildungszentrum Butenschoen-Haus Landau und die Jugendbildungsstätte Martin-Butzer-Haus Bad Dürkheim an dem Projekt der pfälzischen Landeskirche zur Einführung eines erfolgreichen Umweltmanagementsystems in Zusammenarbeit mit der Kontaktstelle für Umwelt und Entwicklung (KATE) in Stuttgart. „Bewahrung der Schöpfung“ und Klimawandel seien ideale Themen, um in der Synode verhandelt zu werden.

Das Schwerpunktthema gehe Fragen auf den Grund, „die uns in der Gesellschaft beschäftigen“, so Kirchenpräsident Eberhard Cherdron. So auch der Frage, „was tut ihr als Kirche?“. Hier würden auch ganz pragmatische Vorschläge formuliert. „Das ist eine Linie, die uns als Kirche gut ansteht“, so der für Umweltfragen zuständige Oberkirchenrat Gottfried Müller.

„Diese Synode wollte Christian Schad zum Kirchenpräsidenten, und so hat sie sich auch verhalten“, kommentierte Synodalpräsident Henri Franck vor der Presse die breite Zustimmung der Landessynode zur Wahl des einzigen Kandidaten für die Nachfolge des noch bis Ende November amtierenden Kirchenpräsidenten, Eberhard Cherdron. Weiteres „Highlight“ des ersten Verhandlungstages: Der Besuch von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann. Für die guten Kontakte, die in Kürze beim nächsten „Gipfeltreffen“ zwischen Domkapitel und Landeskirchenrat bekräftigt werden, könne man dankbar sein, so Kirchenpräsident Cherdron. (30.05.08)

Einführungsvortrag von Oberkirchenrat Gottfried Müller in das Schwerpunktthema als PDF-Datei
Resolution der Landessynode im Wortlaut als PDF-Datei

Oberkirchenrat Gottfried Müller plädiert für "breites Bündnis der Vernunft"

Speyer. „Entscheidungen, die mit der Zukunft unseres Planeten samt seinen pflanzlichen, tierischen und menschlichen Bewohnern zusammenhängen, dürfen nur noch unter dem Gesichtspunkt der ökologischen, sozialen und entwicklungspolitischen Nachhaltigkeit getroffen werden“, sagte der für Umweltfragen zuständige Dezernent der Evangelischen Kirche der Pfalz, Oberkirchenrat Gottfried Müller, zur Einführung in das Schwerpunktthema der Frühjahressynode, „Bewahrung der Schöpfung“, am Freitag in Speyer.

Nachhaltigkeit habe neben einem aktuellen Aspekt, der sich auf die Gegenwart bezieht, auch einen zeitlichen Aspekt, der die künftigen Generationen in den Blick nimmt. Das wichtigste Ziel bestehe darin, dass Menschen mit durchaus unterschiedlicher weltanschaulicher und religiöser Prägung diese Überzeugung teilen, so Müller. „Es geht eben nicht nur um christliche Positionen, sondern um ein Überleben unseres Planeten, und dafür brauchen wir ein breites Bündnis der Vernunft und des guten Willens. Aber wir haben als Kirche hierzu Gutes und Gewinn bringendes beizutragen und können sogar in einigen Bereichen von Umwelt- und Klimaschutz Vorreiterin sein.“

Nur in der Verknüpfung der drei Faktoren Ökologie, Ökonomie und Politik unter dem Gesichtspunkt Gerechtigkeit, Zukunftsfähigkeit und Zusammenarbeit werde es möglich sein, die kommenden Herausforderungen zu meistern. Es reiche nicht aus, den verbreiteten Ansatz von Nachhaltigkeit so zu gestalten, dass er nur auf technische Lösungen zielt, bzw. nur Anreize zur Entwicklung entsprechender technischer Lösungen setzt, etwa durch Steuererleichterungen oder Einspeisevergütungen.

Vorrangig nannte Müller das Drei-Liter-Auto, Windenergie und Photovoltaik, das Bemühen um eine leistungsfähigere Landwirtschaft, einen umweltverträglichen Pflanzenschutz und gerechten Emissionshandel. „Wir brauchen ebenso pragmatische Konzepte, die das Verbrauchsverhalten, unsere Investitionen und den Einsatz regenerativer Energien in den Blick nehmen. Die entscheidende Wende muss in unseren Köpfen und Herzen stattfinden“, appellierte Müller. „Wir müssen mehr und mehr lernen, in zusammenhängenden Systemen zu denken, statt in getrennten Einzelteilen, und wir müssen erkennen, dass wir Menschen nicht der Natur gegenüberstehen, sondern unauflöslich mit den Pflanzen und Tieren verwoben sind. Das macht die biblische Erkenntnis, dass wir in der Schöpfung Gottes nur dauerhaft existieren können, wenn wir bereit sind, ihre und unsere Grenzen anzuerkennen, in der heutigen Zeit so bedeutsam.“

Der Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Professor Dr. Hans Diefenbacher, sagte in seinem Referat zum Klimawandel: „Wir müssen von den hervorragenden Pilotprojekten, die es in vielen Kirchengemeinden schon gibt, in die Breite der kirchlichen Einrichtungen gehen. Dazu braucht es einen langen Atem.“

Viele Folgen des Klimawandels ließen sich nicht mehr verhindern, sondern nur noch begrenzen. „Wir müssen aus dem Ölzeitalter heraus, bevor die Ölvorräte erschöpft sind. Wir haben etwas Besseres, beispielsweise die Solarenergie.“ In dieser Situation sei es fahrlässig, nichts zu tun, so Diefenbacher. „Der Zeitpunkt für entschiedenes Handeln ist da.“ Diefenbacher riet, sich von dem Gedanken eines „ungebremsten Wirtschaftswachstums“ zu verabschieden und eine „Ökonomie der Genügsamkeit“, eine Ökonomie, die die Ressourcen schont, an seine Stelle zu setzen. (30.05.08)

Erneuerbare Energie: „Ökologisch und ökonomisch heizen – das geht!“

Speyer. Am Schwerpunkttag der Synode zum Thema „Bewahrung der Schöpfung“ wurden verschiedene Energiesparmodelle aufgezeigt. Mehrere Workshops beschäftigten sich mit Möglichkeiten der Energieeinsparung durch Gebäudedämmung, dem Umweltmanagement „Grüner Gockel“, Energiecheck und Energiemanagement oder Energiesparkonzepten, wie sie beispielsweise im Dekanat Kirchheimbolanden und in der Kirchengemeinde Miesau umgesetzt werden.

„Nachdem sich das Pfarramt Miesau im Oktober 2004 am Öko-Check Plus der Landeskirche beteiligt hatte, war klar, dass in Punkto Heizen etwas geschehen muss“, schildert Pfarrer Andreas Rummel die Vorgeschichte einer kompletten Umstellung in seiner Gemeinde. Ziel sei eine zentrale solarunterstützte Pelletheizung gewesen mit Nahwärmenetz für Pfarrhaus, Gemeindehaus und Kirche. Im März 2005 fiel der einstimmige Entschluss des Presbyteriums, im September 2005 ging die Anlage in Betrieb.

Im früheren Öltankraum des Pfarrhauses wurden das Pelletlager errichtet, im Heizraum des Pfarrhauses zwei Pelletkessel sowie ein Pufferspeicher installiert. Auf dem Pfarrhausdach wurden 12,5 Quadratmeter Hochleistungsröhrenkollektoren angebracht. Das Gemeindehaus und der Kindergarten wurden über den Hof mit einer unterirdischen Fernwärmeleitung verbunden und erhielten eigene Heizkreisregelungen sowie eine selbstständige Warmwasserbereitung, die mit dem Nahwärmenetz gespeist wird.

Gegenüber 2004 habe die Gemeinde 4.795 Euro Heizkosten gespart und 29,89 Prozent weniger Energie verbraucht. Zudem gebe es bei dieser modernen Pelletanlage kein Feinstaubproblem. Der Feinstaubausstoß liege um das Fünffache unter der ab 2014 geltenden Norm, so Rummel. Die Photovoltaikanlage auf dem Gemeindehausdach habe 2007 bei 807 Sonnenstunden 5.769 Kilowattstunden Stromeinspeisung und somit rund 3.146 Euro Einnahmen erbracht. Alles zusammen gerechnet, habe die Umstellung den Gemeinde-Haushalt um insgesamt 7.941 Euro entlastet. Demgegenüber seien für den KfW-Kredit und das zinslose Darlehen der Landeskirche 3.800 Euro jährlich zu tilgen.

Auch die Umwelt profitiert: Durch den Umstieg von Gas auf Pellets können jährlich 49 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, hat Rummel ausgerechnet. „Ich bin mir sicher, dass es in unserer Landeskirche noch oft solche Konstellationen gibt, die es erlauben, mehrere Gebäude gemeinsam zu beheizen. Darum möchte ich Ihnen Mut machen, jetzt zu investieren, denn in wenigen Jahren werden wir nicht mehr genug Geld haben, um unsere Energie, geschweige denn neue Technik zu bezahlen“, appelliert Rummel an andere Gemeinden, dem Beispiel zu folgen. Miesau habe bereits innerhalb von 15 Jahren die gesamte Anlagentechnik allein durch die Einsparungen bezahlt. Der Kapitalrückfluss der Photovoltaikanlage wiederum liege bei 10,7 Prozent. Das schaffe Spielraum für kirchliche Aufgaben. (30.05.08)

Vortrag zur Ausstellungseröffnung "und nun ...das Wetter" am 1.9.2009, Gedächtniskirche Speyer von Herrn Ulrich Gundert, Brot für die Welt

In meinem ersten Beruf war ich Landwirt. Sie wissen ja, Bauern oder Winzer klagen öfters mal über’s Wetter, meist zu Recht, nur, es hilft halt nichts.

Mit dem Klima ist es anders, da können und müssen wir etwas tun.
Manch eine oder einer wird sich fragen: Warum kümmern sich BfdW oder Misereor um diese Fragen zum Klima? Und zwar nicht nur in Bezug auf Unterstützung der notwendigen Anpassungen im Süden, sondern auch bezüglich der notwendigen Anpassungen im Norden, bei uns.

Ganz einfach: Weil es keine Anpassung allein im Süden geben kann, ohne massive Änderungen unserer Konsummuster im Norden und im Osten. Und weil für beides, die Veränderungen im Norden und Osten sowie für Unterstützungsmaßnahmen im Süden massiv geworben werden muss und nur in der ökumenischen Zusammenarbeit - in einer Zusammenarbeit „die gesamte bewohnte Welt“ betreffend - diese Ziele erreicht werden können.

Darum möchte ich auch hier schon mal meiner Freude Ausdruck verleihen, dass diese Ausstellung in der Gedächtniskirche im Rahmen des Ökumenischen Pfälzer Forums gezeigt wird und auch meinen Dank aussprechen, dass ich als Vertreter von BfdW hierher eingeladen wurde.

Schwierige Aufgaben gehen Misereor und BfdW übrigens sehr oft gemeinsam und eben ökumenisch an, Bsp. Tschad mit massiven Menschenrechtsverletzungen und sehr heikler Situation für MenschenrechtsverteidigerInnen.

Erläuterungen zu Diakonie Katastrophenhilfe und BfdW, als Teil der Ökumenischen Diakonie

Ich möchte meinen Vortrag folgendermaßen gliedern:

1. Gesichter des Klimawandels heute
  a)       Im Norden
  b)       Im Süden – Partnererfahrungen
2. Der drohende Kollaps des Weltklimas und Auswirkungen auf die Ernährungssituation
3. Wie die Politik der Herausforderung begegnet
4. Was Brot für die Welt und DKH tun, aber auch Misereor und CARITAS oft gemeinsam mit BfdW
5. Klimaschutz fängt zuhause und in der Gemeinde an, oder was Sie tun können

1. Gesichter des Klimawandels heute

       a)  Im Norden

Wie zeigt sich Klimawandel hier bei uns?
Für Deutschland gibt es ein sehr gutes und genaues Klimamodell des Max-Planck-Instituts (MPI), welches  die hiesigen Klimaveränderungen bis zum Jahr 2100 prognostiziert.
Das Ergebnis aller Recherchen ist: Die Klimaerwärmung wird Deutschland verändern, allerdings weniger dramatisch als vielfach befürchtet.

Folgende Gefahren haben die Forscher für Deutschland berechnet:
• sinkende Grundwasserspiegel im Sommer, insbesondere in Südwestdeutschland, was das für den Weinbau hier bedeutet, weiß
   ich nicht.
• eine erhöhte Waldbrandgefahr, besonders in Südwestdeutschland und Nordostdeutschland
• eine Zunahme hitzebedingter Krankheiten vor allem in Süddeutschland, Im August 2003 starben in Deutschland rund 7000 und
   europaweit bis zu 70.000 Menschen an den Folgen der extremen Hitze.
• eine Gefährdung der Kühlung von Atomkraftwerken im Sommer, auch dies insbesondere in Süddeutschland
• eine größere Hochwassergefahr im regenreichen Herbst. Bis Ende des Jahrhunderts könnte der Meeresspiegel um bis zu eineinhalb
   Meter ansteigen, befürchten Wissenschaftler. Die Schätzungen des Weltklimarats seien zu konservativ - weil sie die Eisschmelze in
  Grönland und der Antarktis nicht ausreichend berücksichtigen.

Allerdings muss ich zugeben, bringt der Klimawandel in Deutschland auch Chancen mit sich, wie die Hamburger Forscher betonen, etwa
• höhere Ernten in der Landwirtschaft vor allem in Norddeutschland, (eine ertragreichere Weinlese in Süddeutschland, oder
  Weinbau  an der Ost- und Nordsee??  Ertrag ist ja wohl eher weniger das Problem des Weinbaus)
• weniger kältebedingte Krankheiten
• einen Boom des Tourismus in Deutschland, insbesondere an der Küste.

       b)  Im Süden – Partnererfahrungen

Wie zeigt sich Klimawandel in den Ländern des Südens?
Brot für die Welt als Hilfswerk der evang. Kirche kann- genauso wie das Misereor könnte-  noch mal die spezielle Südsicht, die Sicht und Betroffenheit unserer Partner im Süden, in die Diskussion bringen und so auch noch einmal deutlicher für die Dringlichkeit der Lösung  der Klimaproblematik werben.
Es geht uns dabei einerseits um weltweite Gerechtigkeit aber auch einfach um das Überleben vieler Menschen, ganzer Völker und Gemeinschaften.

Drei Beispiele möchte ich benennen und diese etwas illustrieren, damit Sie sich vorstellen können, was uns bewegt.

BSP. 1: aus dem Pazifik
Die Problematik der Überschwemmungen betrifft schon heute viele Länder und Regionen und dazu liegen uns ganz eindrückliche Berichte von unseren Partnerorganisationen in Tuvalu, Pazifik, vor. Der Generalssekretär des dortigen Christenrats berichtet beim DEKT in  Bremen davon, dass schon die ersten Inseln aufgegeben werden und die Menschen auf andere Inseln ausweichen mussten. Das kann die Region dort sicher eine Zeitlang selbst managen, irgendwann werden die Klima-Flüchtlinge aber  nicht mehr auf den verbleibenden Inseln untergebracht werden können....

Problem ist nicht, dass tatsächliche Land überschwemmt wird, sondern  meist eher die Versalzung der Böden durch ansteigenden salzigen Grundwasserspiegel und die Trinkwasserproblematik

BSP. 2: Himalaya
Ladakh: Gehört zu Indien -  ist eine Hochgebirgswüste, denn es gibt nur sehr wenig Niederschlag in den Tälern, der meiste fällt als Schnee. Die Täler befinden sich auf einer Höhe von 3000 m ü.d.M. Die Berge erreichen Höhen von über 7000 m ü.d.M.

Traditionell leben die Leute dort von der Schneeschmelze und der Gletscherschmelze, indem sie das Wasser zur Bewässerung auf ihre Felder leiten. Sie bauen damit Gerste an, auch Gemüse und sogar Aprikosen. Viele Gletscher haben sich aufgrund der Erderwärmung bereits weit zurückgezogen und in 20-30 Jahren wird es nur mehr unwesentliche Reste geben. Die traditionelle Lebensweise und Landwirtschaft sind dann nicht mehr möglich. Mein Kollege hat dort einen alten Mann getroffen, der sagte, er verstehe die Welt nicht mehr: Im Winter falle immer weniger Schnee, sodass im Frühjahr die Schneeschmelze nicht mehr ausreicht, alle Felder zu bewässern. Viele Flächen bleiben deshalb brach. Auch die Gletscherschmelze, die den Sommer über wichtig ist, bringt immer weniger Bewässerungswasser hervor, viele (kleinere) Gletscher seien schon fast verschwunden. Dafür  gäbe es nun im Sommer immer öfters wolkenbruchartige Regenfälle, die z.T. erhebliche Zerstörungen auslösen (was mein Kollege selbst gesehen hat). Ganze Dörfer, die alle entlang von Bächen und Flussläufen erbaut wurden, wurden schon von den Fluten weggespült bzw. von den Schotter-, Schlamm- und Gesteinsmassen verschüttet.

In diesem Zusammenhang  vielleicht wichtig:  Die Menschen in Ladakh sind am Klimawandel unschuldig.

BSP. 3: Bangladesh
Bangladesh ist sozusagen die Kombination zwischen tiefliegenden Gebieten und Einfluss des Himalaya.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf die benachteiligte Bevölkerung in Bangladesch sind schon heute deutlich spürbar. Durch den Meeresspiegelanstieg und die immer häufiger über die Ufer tretenden Flüsse im Landesinneren drohen Überflutungen großer Landflächen und Wirbelstürme. Zusammen mit den sich verstärkende jährliche Monsunregen und längere Trockenzeiten verschärft sich die Situation. Angesichts der dichten Besiedlung - mit mehr als 1000 Einwohnern pro km2 viermal so hoch wie in Deutschland - ist eine Rückzugsstrategie in höher gelegene Landstriche unmöglich. Auf Grund seiner geographischen Besonderheit und wegen des hohen Anteils armer Menschen in der Bevölkerung gerät Bangladesch durch den Klimawandel zusätzlich in Bedrängnis. Bei einem Meeresspiegelanstieg um einen Meter rechnen Wissenschaftler mit dem Verlust von 25% der Landfläche und der Hälfte aller Reisfelder Bangladeschs.
Der Weltklimarat erwartet 11 Millionen Klimaflüchtlinge allein in Bangladesh innerhalb der nächsten 20 Jahre.

In Kombination mit dem Meeresspiegelanstieg und dem Verlust natürlicher Barrieren – wie durch die Abholzung des größten Man-grovenwaldes des Welt - können in Bangladesch in Zukunft noch mehr Menschen von der Zerstörung durch Zyklone betroffen sein.

Das zeigt, mit dem Klima und den Auswirkungen des Klimawandels haben wir es mit einem hochkomplexen System zu tun, das zu beherrschen heute niemand behaupten kann.

2. Der drohende Kollaps des Weltklimas und der Einfluss des Klimawandels auf die Ernährungssituation

Wie hängt die CO2-Konzentration mit dem Klima zusammen? Warum reden wir heute über die Reduzierung der CO2-Konzentration?
Der im Wesentlichen von Menschen verursachte Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre behindert die (langwellige) Ausstrahlung und bewirkt einen signifikanten Trend der Erderwärmung (bislang 0,8 Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit).

Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, im Deutschen oft als „Weltklimarat“ bezeichnet) sagt ganz deutlich: Mit dem Anstieg der Temperatur drohen Risiken im Klima-System, die jenseits der 2 Grad-Grenze „gefährlich“ bzw. „unkontrollierbar“ werden.

Die Emissionsentwicklung lag in den letzten Jahren über den höchsten IPCC-Szenarien.
Bis 2100 droht ein Temperaturanstieg von 5°C und ein Meeresspiegel-Anstieg von 1 m- wenn nichts Bedeutendes getan wird.

Den Einfluss des Klimawandels auf die Ernährungssituation kann man folgendermaßen umschreiben:

Der Klimawandel beeinflusst die Landwirtschaft (überwiegend) negativ. Ertragsdepression bei Temperatur-Erhöhung ab 1 Grad (Tropen) bzw. 3 Grad (gemäßigte Breiten) sind zu erwarten. Die zuvor benannten positiven Auswirkungen auf die Landwirtschaft bei uns gelten daher nur bis zu einem bestimmten Temperaturanstieg.

Auswirkungen des Klimawandels:
#Veränderung der Niederschläge (Variabilität, Intensität, Periodizität)
#Versalzung & Überschwemmungen
#Veränderung der Hydrologie & Gletscherschmelze
#Unwetter-Zunahme (Stürme, Dürren, Regen)

Darüber sprach ich schon und darüber hören Sie regelmäßig in den Nachrichtensendungen.
Es gibt dabei große regionale Unterschiede:
 
• In Afrika kommt der Klimawandel „on top“ von existierenden Ernährungssicherungsproblemen durch eine Verschärfung von Dürren
   und Desertifikation (Wüstenbildung)
• Asien/Pazifik: Wassermangel in Zentralasien, Instabilität des Monsun (S-Asien), Überflutung & Versalzung (SO-Asien, Pazifik)),
   Dürren in Australien
• Zentralamerika/Karibik:  regional unterschiedliche Auswirkungen. Am Bekanntesten sind wohl die Hurrikane in Mittelamerika. 

Es geht um zweierlei: Vermeidung des Unbeherrschbaren, d.h. die Begrenzung des Temperaturanstiegs auf max. 2 Grad Celsius und

3. Wie die Politik der Herausforderung begegnet bzw. um was geht es bei den Klimaverhandlungen im Dezember in Kopenhagen?

a. Bei uns im Norden

Die Weltgemeinschaft - insbesondere die Industrieländer – müssen ihre Bemühungen um die Verminderung von Treibhausgas-Emissionen drastisch verstärken, damit eine maximale Erhöhung von 2 Grad C nicht überschritten wird, gemessen gegenüber der vorindustriellen Zeit (bei 0,8 Grad sind wir schon).

Diese Vermeidung des Unbeherrschbaren, d.h. die Erwärmung auf unter 2 Grad C begrenzen, bedeutet für uns:
#Emissionen müssen spätestens ab 2017 sinken
#Industrieländer bis 2020 Minderung um 40% des CO²-Ausstosses
#Industrieländer bis 2050 Minderung um min. 90% (beides im Vergleich zu 1990)

Nochmal: Bei uns geht es um die Vermeidung des Unbeherrschbaren und damit um die  drastische Verringerung der Emissionen, um einen in großem Maßstab gefährlichen und nicht beherrschbaren Klimawandel abzuwenden.

b. Im Süden

Hier geht es v.a. auch um die Beherrschung des Unvermeidlichen .
Das Beispiel Bangladesch zeigt, dass Klimaschutz und Armutsbekämpfung im Sinne nachhaltiger Entwicklung untrennbar zusammen gehören und Gegenstand kommender internationaler Klimaverhandlungen sein müssen.
Als Hauptverursacher der Treibhausgase werden die Industrieländer in der Zukunft vermehrt Mittel zur Verfügung stellen müssen, um die Emissionsvermeidung in den Entwicklungsländern zu unterstützen (Mitigation) und um Anpassungs- und Katastrophenvorsorge-Strategien zu ermöglichen (Adaption). Diese Klimaschutzmittel müssen zusätzlich zur öffentlichen Entwicklungshilfe, verlässlich und in angemessener Höhe bereitgestellt werden. Sie müssen effektiv eingesetzt werden und die wirklich Betroffenen - die Armen- erreichen.

In der Anpassung an die nicht mehr vermeidbaren Konsequenzen des Klimawandels ist BfdW oft gemeinsam mit der Diakonie Katastrophenhilfe dabei, Partnerorganisationen auf das Unvermeidliche vorzubereiten. Die Klimaausstellung zeigt hierzu Beispiele, die allerdings in jeder Region anders gestaltet sein müssen und eben die klimatischen, ökologischen aber auch sozialen und kulturellen Bedingungen genau berücksichtigen müssen.
Dies macht schon klar, dass es dafür keine Pauschallösungen gibt, sondern die Menschen und Organisationen im Süden die je für sie angepassten Möglichkeiten identifizieren und entwickeln müssen.
Das kostet natürlich Geld:
- Kosten der Anpassung an das Unvermeidliche
- Finanzierung der Anpassung und des Klimaschutzes im Süden (160 Mrd $ pro Jahr)
  und zwar zusätzlich zu Geldern der reinen Entwicklungszusammenarbeit

Afrika forderte gerade letzte Woche ca. 70 Mrd. US$/Jahr und die Afrikanische Union wird mit dieser Forderung nach Kopenhagen gehen.

4. Was Brot für die Welt und Diakonie Katastrohenhilfe tun, aber auch Misereor und CARITAS oft gemeinsam mit Brot für die Welt

Wir reden von Klimagerechtigkeit und wir setzen uns dafür ein und wir meinen, dass auch die Menschen im Süden ein Anrecht haben auf (nachhaltige) Entwicklung trotz Klimawandel. Warum sollte ihnen das verwehrt werden? Gleiche Rechte aller Menschen auf gleiche Nutzung der Umwelt oder auch gleiche Verschmutzungsrechte von 2 t CO2/Jahr/Person ab 2050 (Deutschland heute 10 t, weltweit heute 3,8t)

Allerdings: Es reicht nicht aus, gefährdete Länder zu identifizieren.
Anpassungspolitiken und –maßnahmen müssen vorrangig auf die Bedürfnisse besonders gefährdeter Menschen, Haushalte und Gemeinden orientiert sein. Gerade Kleinbauern sind meist zu arm, um sich aus eigener Kraft an veränderte Klimabedingungen anzupassen – sie haben ein Recht auf Unterstützung.
Gerade darin, genau diese benachteiligten Gruppen zu identifizieren, sehen wir, BfdW und Misereor, unsere Stärken.

BfdW und DKH, oder auch Misereor, treten  im starken Team gegen den Klimawandel an und ist für diese alle Organisationen ein wichtiges Thema. In enger Kooperation werden Strategien mit gemeinsamen Partnern entwickelt und Synergien geschaffen.

Ein Beispiel der Kooperation DKH und BfdW sind die gemeinsame „Leuchtturmprojekte“ in Hot spots, die auf gemeinsamer Risikoanalyse basieren und für die „Community Based Adaptation“ entwickelt werden.

Wir haben eine gemeinsame Lobby-Strategie und ein gemeinsames Auftreten in Kopenhagen.
Dort setzen wir uns ein für:
• Vorrang für die Armen bei Anpassungsprogrammen
• Mitwirkung der „Gemeinden“ und der Zivilgesellschaft im Süden bei Klimaanpassungsstrategien
• Exkurs zur „Partizipation“
• Wir mobilisieren im Norden für „Klimagerechtigkeit“:
  o In den Kirchen und der Gesellschaft (u.a. als Teil der Klima-Allianz)
  o Auf nationaler und internationaler politischer Ebene (FAO/UNFCCC: United Nations Framework Convention on Climate Change) 
     auch über unsere internationalen Netzwerke (WCC  - APRODEV, ACT)
  o Wir setzen uns ein für CO2-Reduktion auf Basis einer gerechten Lastenverteilung nach Verantwortung/Leistungsfähigkeit
  o Für einen KURSWECHSEL in der Klimapolitik in Deutschland und Europa – ohne diesen sind Anpassungsmaßnahmen im Süden
     mittel- bis langfristig wirkungslos und bedeuten nur eine leichte Verzögerung auf dem Weg in das „Unbeherrschbare“

5. Klimaschutz fängt zuhause und in der Gemeinde an, oder was Sie tun können

Sie alle können einen Beitrag zur Vermeidung des Unbeherrschbaren leisten und beim Klimaschutz mitmachen:
• Erfassung und Reduzierung des Energieverbrauchs zu Hause, in Kirchengemeinde, bzw. jede/r  in ihrem und seinem Umfeld
• Klimaschutzziele setzen – „minus 40% bis 2020“, jede und jeder für ihren bzw. seinen Bereich
• Weiterführende Einführung eines Umweltmanagements in Betrieben oder Gemeinden – dazu gibt’s den „Grünen Gockel“, der Ihnen ja
   teilweise bekannt ist
• Mitgliedschaft und Engagement in der Klima-Allianz, um auch entsprechende politische Forderungen aus einer breiten
   gesellschaftlichen  Allianz zu formulieren

Aber Sie können auch einen Beitrag zur Anpassung an das Unvermeidliche leisten. Kirchengemeinden unterstützen Anpassungsprojekte weltweit:
• Kirchengemeinden schaffen Bewusstsein für die Nöte der Anderen
• Kirchengemeinden erklären sich solidarisch und unterstützen die Anliegen der Partner im Süden
• Kirchengemeinden unterstützen die Projektarbeit von BfdW bzw. Misereor

Ich denke, wir Christinnen und Christen sind ganz besonders aufgefordert, verantwortungsbewusst mit Gottes wunderbarer Schöpfung umzugehen. Und ich denke weiter, durch nichts wird die Schöpfung so markant in Frage gestellt wie durch den Klimawandel.

Die Ausstellung zeigt viele Einzelmaßnahmen, die auf die bereits jetzt sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels erste Antworten geben, wobei sie wohl eher nicht in so großer räumlicher Nähe zusammen realisiert werden. Entscheidend ist aber, dass alle Maßnahmen an das jeweilige soziale und agrarökologische Umfeld angepasst und kombiniert werden.
Das geht weder in Form von im Norden entwickelter Pläne und pauschaler Lösungen, noch ohne aktive Beteiligung der betroffenen Bevölkerung.

Darum haben weder BfdW noch Misereor eigene Projekte, sondern wir unterstützen lokale Projektträger, die das gesamte Umfeld gut kennen und auch Veränderungspotentiale richtig einzuschätzen wissen.
Für diese Arbeit benötigen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung, für die ich hier auch werben möchte.

Aber eben auch das Engagement der deutschen und europäischen Politik ist gefordert, um die notwendigen Änderungen bei uns politisch durchzusetzen. Gerade jetzt im Wahlkampf werden Sie kaum Politiker hören, die für eine Veränderung unserer Konsummuster eintreten; das wäre geradezu politischer Selbstmord – allerdings nur so lange Sie Ihre Politiker nicht auf die hier jetzt dargestellten Szenarien ansprechen, die auch diese kennen.
Ich verweise auf die infratest-dimap-Umfrage, die besagt, dass die überwiegende Zahl der WählerInnen im Klimaschutz eine klare Aufgabe für die Politik sieht und dass eine große Anzahl von Wechselwählern ihre Wahlentscheidung u.a. von klimapolitischen Profilen der Parteien abhängig machen würde.

Hier wird auch noch einmal deutlich:
Nur in Ökumenischer Kooperation - in einer Zusammenarbeit „die gesamte bewohnte Welt“ betreffend - können diese Ziele erreicht werden. Und sicherlich sehr glaubwürdig in ökumenischer Kooperation können Sie Politikerinnen und Politiker aller Parteien auf diese Problematik ansprechen.

Sie, mit Ihrem Pfälzer Forum gehen da in die richtige Richtung und auch noch einen entscheidenden Schritt weiter:
Sie sprechen ganz gezielt junge Menschen an, die gerade in Bezug auf Veränderung von Konsummustern sehr schwierig zu ereichen sind. Als Vater dreier Jugendlicher weiß ich, wovon ich rede. Diese Jugendlichen werden aber die entscheidenden Kräfte sein: bei der politischen Mobilisierung und auch bei der Umsetzung der notwendigen Veränderungen in unserer eigenen Gesellschaft.
Dabei geht es nicht um Verzicht, sondern in erster Linie um Verhaltensänderungen, um einen bewussteren Umgang mit der Natur und allem, was zu Klimaveränderungen beiträgt.

Ihnen wünsche ich viel Erfolg in der Mobilisierung v.a. auch Jugendlicher, denn vor allem um deren Zukunft geht es.
Weiterhin wünsche ich Ihnen zahlreiche interessierte Besucher dieser Ausstellung und spannende Diskussionen.
Ganz herzlichen Dank

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