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Gedenkstein für eine Bomberbesatzung im Speyerer Wald

Luftminen- und Brandbombenabwurf
Feuerlöscher von abgestützter Maschine

 

Waren Tod und Grauen vergeblich?

Von Hans Wels

Sie sollten mithelfen, unser Land von einem Wahnsinnigen und seiner Kriegsverbrecherclique zu befreien. Dafür bezahlten sieben Menschen den höchsten Preis, den Soldaten leisten können – sie bezahlten mit ihrem jungen Leben.

 Wie in einem magischen Kreis scheint sich alles zu wiederholen.  Erschütternd, wie rücksichtslos Parteien und Bewegungen wieder radikale Worte gegenüber Fremden, Andersdenkenden und anderen Nationen in den Mund nehmen. Damit fing damals alles an und verdarb unsere Kinderzeit. Einer mit großer Klappe kam legal an die Macht, der Menschenrechte, Menschenwürde, Glaubens- und Meinungsfreiheit mit Füßen trat.

 Unsere Altvorderen jubelten einem Führer zu, der unsägliches Leid über die Nachbarvölker brachte. Die Folgen waren Bombennächte in meiner Kindheit, an die ich mich bis heute mit Schrecken erinnere.

Dort wo die australisch-englische Bomberbesatzung am 23. September 1943 nach ihrer Bombardierung von Ludwigshafen-Mannheim abstürzte, steht jetzt ein Gedenkstein. Er wurde am 1. Oktober 2016 eingeweiht und ist zu Fuß vom Speyerer Waldparkplatz, gegenüber der Walderholung zu erreichen.

 Die Freude über den Fund der Absturzstelle durch die IG Heimatforschung Rheinland-Pfalz war für den Vorsitzenden des australischen Veteranenvereins riesengroß, informierten Erik Wiemann und Peter Berkel von der IG. Laut Oberbürgermeister Hansjörg Eger war die Bombardierung von Mannheim und Ludwigshafen ein typisches Ziel wegen der BASF und der weiteren Industrie:  „Weil sie zum Ende des 2. Weltkriegs führen musste“.

 Zur feierlichen Einweihung des Gedenksteins am 1. Oktober gab es militärische Ehren, den Segen beider Kirchen, Blumen und Kränze, einfühlsame Reden und ein Trompetensolo (Last Post) zum Schluss.

  Nach Aussage von Erik Wiemann waren an diesem 23. September 1943,  628 bombende Maschinen über den Schwesterstädten. Dort warf auch die abgeschossene Lancaster DV 174 ihre tödliche Last ab. Nämlich eine 1,8 Tonnen schwere Luftmine mit 1,5 Tonnen TNT Sprengstoff im Innern, drei 1000 Pfund Sprengbomben und 78 Stabbrandbomben.

 Luftminen, sogenannte Wohnblockknacker erzeugten beim Aufprall so starke Druckwellen, dass die Lungen zerrissen und im Umkreis alle Dächer abgedeckt wurden. In die leicht brennbaren Dachstühle konnten dann ungehindert die Brandbomben rieseln. Zudem wurden die Straßen durch die Trümmer für Helfer unpassierbar.

 Am Gedenkstein wühlten sich bei mir als betroffenem Kriegskind schlimme Erinnerungen empor. Als Überlebender von 124 Luftangriffen auf Ludwigshafen/Mannheim sind für mich Bombenflugzeuge eine teuflische Vernichtungsmaschinerie, die am Boden Schrecken, Leid und Elend erzeugen soll. Für den grässlichen Heulton beim Fallen waren an den Bomben extra Propeller angebracht. Das Grauen und die Todesängste unten im Zielgebiet hunderter Bomber, die oft per Signal gleichzeitig ihre Bombenschächte öffneten, wird man im Leben nicht mehr los.

 Während heulend und krachend die Bomben einschlugen, saß ich mit vier, fünf Jahren schreiend auf dem Schoß der angsterfüllten Mutter. Bei Fliegeralarm suchten wir Schutz  im Keller. Mein Vater hatte einen unerschütterlichen Glauben:  „Mein Haus treffen die nicht!“ – wie Recht er hatte. Nachbarn eilten bei Fliegeralarm in einen nahen Deckungsgraben. Auch Erika, meine gleichaltrige Spielgefährtin mit ihren Eltern und zwei Geschwistern. Nur ihre Oma wollte nicht und blieb zu Hause. Ein Volltreffer auf den Splittergraben tötete alle 30 Schutzsuchenden aus der Nachbarschaft. Wenn ich nach Kriegsende am Siedlungshäuschen von Erika vorbeikam, schaute ein altes Mütterchen mit versteinertem Gesicht aus dem Fenster – als wartete sie auf die Rückkehr ihrer Kinder.

 Die fürchterlichen Erlebnisse machten uns Kriegskinder zu hochtraumatisierten Menschen. Bei Sirenengeheul geraten wir heute noch in Panik. “Wir waren äußerlich unversehrt aber innerlich verletzt“, sagte als Mitbetroffener der Psychoanalytik-Professor Hartmut Radebold auf einer Tagung mit Kriegskindern.

 Aber wurde der mutige Einsatz der sieben Schicksalsgenossen nicht auch für niederen Aktionismus und Rachegedanken missbraucht?  Können Historiker belegen, dass durch den blutigen Krieg gegen die Bevölkerung und Zerstörung von unersetzlichem Kulturgut, das Morden im 2. Weltkrieg verkürzt wurde?  Warum waren die alliierten Kriegsstrategen nicht so schlau, wirksamere Ideen zur Kriegsentscheidung zu entwickeln? Weshalb war die BASF bis Kriegsende  noch in der Lage Flugbenzin herzustellen?

 Statt Städte sinnlos zu bombardieren, hätten die Alliierten das Vernichtungspotential zielstrebig auf Industrie, Schienen, Straßen und Brücken konzentrieren können – bis nichts mehr ging, weder Warenaustausch, noch Zusammenbau von Kriegsgerät.  Am Tage Null waren noch viele Autobahnen und Schienen intakt und Brücken waren erst auf wahnwitzigen Befehl durch eigene Soldaten gesprengt worden.

Und schon beginnt der Wahnsinn aufs Neue. Wieder können sich machtbesessene Psychopaten etablieren, finden ihre fanatischen Unterstützer und weltweit werden die Militäretats nach oben geschraubt – auch in Deutschland. Damit geht der Krieg gegen zivile Ziele und Menschen weiter: Hilfskonvois werden angegriffen, Fassbomben landen auf Krankenhäusern und Afghanistan wurde jetzt zum Ziel einer US- Megabombe. Diese zynisch benannte „Mutter aller Bomben“ hatte eine Sprengkraft von 11 Tonnen TNT.  Es ist zum Heulen – oder haben wir  noch eine zweite Erde zum Ausbeuten und für flüchtende Menschen?

Bundeswehreinsatz in Syrien

Die Stellungnahme der Arbeitsstelle Frieden und Umwelt zum Bundeswehreinsatz in Syrien finden Sie hier.

Ist die Unsicherheit selbst gemacht?

In diesen Tagen nachzudenken, was Sicherheit bedeutet oder auch darüber mit anderen ins Gespräch zu kommen, erweist sich als sehr schwierig.

Einerseits sitzt der Schock der Attentate in Würzburg, München, Reutlingen, Ansbach, Nizza, Bagdad, Aleppo ... und der steten Gewalt in den Kriegs- und Krisengebieten ... sehr tief.
Andererseits nutzen Einige die momentane Situation unserer Welt dazu, um populistisch Angst zu schüren und die längst überwundenen Strategien des „Kalten Krieges“ wieder salonfähig zu machen.

Im Dunkel der gefühlten Gefahr, die sich mit der real erlebten Gefahr verbindet und vermischt, wächst die Angst jetzt auch hier bei uns nicht mehr sicher leben zu können.

Nachvollziehbar, verstehbar.

Ist es aber auch akzeptabel an unserer Grundordnung zu zweifeln, die über Jahrzehnte gewachsen, geformt, gelebt wurde?

Selbst die als seriös geltenden Medien verfallen dem Druck, der latent vorhandenen Angst nachzugeben. Expert*innen geben sich sozusagen die mediale Klinke in die Hand, um scheinbar analytisch aufzuarbeiten, was gerade geschieht.

Parteien und deren Vertreter*innen werden nicht müde, dem Sicherheitsrisiko unserer Tage mit verstärkten Sicherheitsvorkehrungen zu begegnen.

Der Gipfel solcher Bemühungen ist die Diskussion, die Bundeswehr im Innern einzusetzen und damit das die Gewaltenteilung sinnvoll regulierende Grundgesetz zu ändern.

Ich erinnere mich an ein altes biblisches Wort. Da heißt es in den Evangelien, im Neuen Testament: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16, 33).
Wohl gemerkt, ich sage das nicht zu Opfern und Angehörigen, die trauern, Leid tragen, traumatisiert sind.
Ich sage es uns, die wir drohen, einer scheinbar kollektiv verordneten Angst zu erliegen.

Zu den Grundüberlegungen unseres gesellschaftlichen Zusammen-lebens zählt es, dass wir Verschiedenartigkeit zulassen. Unsere Demokratie fußt darauf, dass wir im Zusammenspiel dieser Unterschiedlichkeit mittels Kompromissen Wege finden, Krisen zu meistern.

Nur eine Theorie?

Gemessen an dem, was gerade im „Nicht-Greifbaren“ geschieht, scheint es so, als hätten wir all die vergangenen Jahre und Jahrzehnte in einer tönernen Gesellschaft gelebt. Jetzt sind wir aufgeschreckt durch das, was über Jahre und Jahrzehnte unsere wirtschaftliche und friedliche Stabilität durch Stellvertretung auf anderen Kontinenten (z.B.: wirtschaftliche Expansion, EU-Erweiterung, militärische Sicherung von Zugängen zu Rohstoffen und deren Ausbeutung, Einmischen in innere Angelegenheiten anderer Staaten, Destabilisierung von Staaten zum eigenen Nutzen bestimmter Koalitionen und Machtverhältnissen etc.) gesichert hat. Es sieht so aus, als ob unsere Werte zerbröckeln und scheinbar alles in Frage steht.

Unsere einzige Antwort darauf ist, mit militärischen Mitteln Sicherheit scheinbar zu erhöhen und sie dadurch versuchen zu stabilisieren.
Es geht weit weniger um religiöse Renaissance, um den Fanatismus extremer Positionen, um Stärkung nationalstaatlicher Tendenzen.
Es geht um die Frage, ob wir als Menschen in der Lage sind, auch anders zu reagieren, ob Gewalt wirklich nur mit Gewalt zu beantworten ist.

Eine idealistische Frage angesichts der sich scheinbar ins unermessliche steigernden Anschlags- und Kriegsgefahr?

Ich erinnere mich an Bertha von Suttner, die inständig davor gewarnt hat, dass ohne Kommunikation, ohne friedliche Alternativen ein Krieg unvermeidlich wäre. Sie hatte Recht. Mit dem I. Weltkrieg öffnete sich ein Fanal schier unbeherrschbarer Gewaltexzesse, von denen nahezu alle gesellschaftlich relevanten Organe, Institutionen, Organisationen ... erfasst wurden.

Heute im 21. Jahrhundert ist es an der Zeit, das zu tun, was uns als Menschen auszeichnet: miteinander zu reden, gemeinsam Perspektiven für die gesamte Weltbevölkerung zu entwickeln, Macht, Dominanz, Egoismus zu überwinden für eine Weltgesellschaft, die Schwache und Starke verbindet. 
Hierbei sehe ich die Rolle der Religionen als entscheidenden Faktor. Ihnen kommt es zu, das, was die Religionen zuallererst anstreben, nämlich ein friedliches, gerechtes Zusammenleben in einer bewahrten Natur, in die Weltgesellschaft einzufügen.

Vertreter*innen verschiedenster Religionen und Kulturen arbeiten an diesem Perspektivwechsel. Nationalstaatlichkeit, völkischer Egoismus, kulturelle und auch materielle Überheblichkeiten, imperialistische Expansionsideen ... dieser Perspektivwechsel kann helfen, das alles zu überwinden. Die allenthalben aufkommenden Ängste eines dumpfen Gefühls der Übervorteilung, des Identitätsverlustes, der Zukunftslosigkeit schreien nach dem Kontemplativen der Religionen. Nicht die Marxsche Erkenntnis, dass Religion das Volk wie Opium lähmt und willfährig macht, ist der Weg. Die gastfreundschaftliche Bereitschaft Fremdes nicht abzulehnen, sondern, um mit Antoine de Saint Exupéry zu sprechen, sich das Fremde vertraut zu machen, eröffnet der Weltgesellschaft den Blick für das Entwickeln gemeinsamer Überlebensstrategien. Dies ist umso wichtiger, je stärker wir die Zeichen der Zeit erkennen. In einer Zeit, in der Ressourcen knapper werden, und die Erderwärmung das Klima nachhaltig verändert, gilt es, das menschliche Leben zu transformieren, damit Alle Zugang zu Allem haben.

Ist die Unsicherheit selbst gemacht?

Ja und nein zugleich.
Im 21. Jahrhundert muss der Mensch wieder zum Menschen werden, der nicht als Einzelwesen existiert, sondern das ist, was er ist, ein auf Gemeinschaft Angewiesener. Das bedeutet nicht, dass es nur Gleichgesinnte sind, denn das Gegenüber ist nicht nur Bestätigung, sondern zugleich auch Kritik am jeweiligen Lebensvollzug.

Die Versäumnisse des industriellen Zeitalters müssen korrigiert werden, damit auch die Natur wieder zu einem lebendigen Gegenüber des Menschen werden kann. 
Schließlich wird Sicherheit nicht dadurch gewährt und gestärkt, dass Andersdenkende und –lebende zu Feinden erklärt werden, dass Fremdes zur Existenzangst mutiert. Das Andere hat die Qualität, das eigene eingeschliffene Muster zu kritisieren und auch zu korrigieren.

Und der Schlüssel für diesen Weg liegt in der Kommunikation, dem Zuhören und dem Lernen zu verstehen.
Ein möglicher Ort dazu sind die Religionen als Kulturträger unseres menschlichen Zusammenlebens.

Detlev Besier, Pfarrer für Frieden und Umwelt, Ev. Kirche der Pfalz, 07/2016

 

Detlev Besier ist neuer Pfarrer für Frieden und Umwelt

"Schwerter zu Pflugscharen", dieses Wort aus dem Alten Testament ist bis heute aktuell. Doch reiche die Abschaffung der Rüstung alleine nicht aus, um Frieden zu schaffen, spricht der neue Pfarrer für Frieden und Umwelt der Evangelischen Kirche der Pfalz, der am 27. September von Oberkirchenrat Dr. Michael Gärtner in Speyer in sein Amt eingeführt worden ist. Es bedarf der globalen Gerechtigkeit und solidarischen Teilens, um die Utopie Wirklichkeit werden zulassen.

"Dieser Utopie ein greifbares Gesicht zu geben, dafür trete ich in den Fußstapfen meines Vorgängers diese Stelle an und weiß mich von einer langen Geschichte der Friedensbewegten getragen, eingebettet in Gottes guten Geist, der uns lehrt, dass es möglich ist, miteinander in Frieden zu leben.

Dass ich heute hier nicht alleine bin, ist Zeichen dafür, dass schon viele aufgebrochen sind, um dieser Utopie den Schein purer Träumerei zu nehmen, begonnen, weitergeführt haben, was Generationen vor uns schon eingeübt haben. Diesen Weg gehen wir heute bewusst und sichtbar weiter. Danke für Eure und Ihre begleitenden Schritte.", so Detlev Besier in seiner Predigt zu seiner Einführung als Pfarrer für Frieden und Umwelt.

Ein Zeichen der ökumenischen und zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit setzten Bianka Pfaff von der Friedensinitiative Westpfalz und Christoph Fuhrbach, Weltkirchenreferent des Bistums Speyer, die bei der Einführung assistierten.  

Das Team der Arbeitsstelle Frieden und Umwelt der Evangelischen Kirche der Pfalz mit Oberkirchenrat Dr. Michael Gärtner (links) und dem neuen Pfarrer für Frieden und Umwelt Detlev Besier (rechts)

AGDF: Deutschland muss sich für weltweites Verbot von Atomwaffen einsetzen

 

Die evangelische Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) hat auf ihrer Mitgliederversammlung in Freiburg aus Anlass des Internationalen Tages für die Abschaffung von Atomwaffen (26. September) die Bundesregierung nachdrücklich aufgefordert, sich für ein weltweites Verbot und die Vernichtung von Atomwaffen einzusetzen. In Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen drückt die AGDF ihre Hoffnung aus, dass sich Deutschland dem von Österreich initiierten „Humanitarian Pledge“ anschließe und innerhalb der NATO für den Stopp der geplanten Modernisierung der US-Atomwaffen in Europa ebenso einsetze wie für den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland.

Hintergrund dieser Initiative sind die jüngsten Meldungen über die geplante Modernisierung der in Europa stationierten US-Atomwaffen wie auch der 70. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Diese Jahrestage seien eine Mahnung, alles Mögliche zu tun, damit sich solche Tragödien nicht wiederholen würden, betonte die AGDF in Freiburg.

Dabei nahm der evangelische Friedensverband auch die in Büchel in der Eifel stationierten letzten US-Atomwaffen in Deutschland in den Blick. Obwohl der Bundestag im März 2010 deren Abzug gefordert habe, sollen sie nun durch eine zielgenauere Bombenversion ersetzt werden, kritisiert die AGDF.

Die AGDF verweist dabei auf eine im Rahmen der Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrages im Mai 2015 auf Initiative Österreichs von 108 Regierungen geschlossenen Verpflichtung zur Humanität („Humanitarian Pledge“), mit der eine vollständige Vernichtung aller Atomwaffen weltweit gefordert wird. Nach Ansicht der AGDF ist ein solcher internationaler Verbotsvertrag für Atomwaffen die einzige Chance, einen Einsatz von Atomwaffen unmöglich zu machen, unterstrich die Mitgliederversammlung in Freiburg.

Die AGDF mit Sitz in Bonn ist ein Zusammenschluss von 33 Organisationen und Institutionen, die alle mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Arbeitsprogrammen im In- und Ausland Friedensarbeit leisten. Die Arbeitsstelle Frieden und Umwelt ist Mitglied bei der AGDF.

Infobrief zur Friedensarbeit

Informationen und Anregungen aus der Friedensarbeit unserer Nachbar-Landeskirchen enthalten die nachfolgenden Infobriefe:

Ausgabe 2014

Ausgabe 2015

 

Im Spannungsfeld von Gewaltdarstellung und Friedenssehnsucht

Evangelische Arbeitsstellen geben Broschüre zu Kriegerdenkmälern in Baden und der Pfalz heraus (Titelbild)

Speyer/Karlsruhe (lk). Die pfälzische und die badische Landeskirche haben ein Lese- und Arbeitsheft zu Kriegerdenkmälern in Baden und der Pfalz herausgegeben. Titel: „Gedenkt der Toten und lebt für den Frieden!“ Als Zeugen kriegerischer Handlungen prägten Kriegsdenkmäler das Bild der Dörfer und Städte. „Sie sind und bleiben Fremdkörper in unserer Alltagswelt“, erklärt der Leiter der Arbeitsstelle Frieden und Umwelt der pfälzischen Landeskirche, Pfarrer Friedhelm Schneider. Die Broschüre beleuchte Kriegerdenkmäler „als Steine des Anstoßes, als Impulsgeber und Rufer nach Friedenserziehung“. Die Broschüre kann kostenfrei bei der Arbeitsstelle bestellt werden.

Friedhelm Schneider: Gewaltkritische Impulse stärken

Rüstungsexportpolitik fördert Friedensrisiken

(Kirchenboten-Artikel vom 29.9.2014)

EKD-Friedensbeauftragter kritisiert Bundeswehr-Nachwuchswerbung

Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Pastor Renke Brahms, kritisiert die nach seinen Worten „aggressive“ Nachwuchswerbung der Bundeswehr. Nach den jüngsten Medienberichten über Ferien-Camps für Jugendliche sei das das Maß für ihn voll, so Brahms heute in Bremen. Es sei keine Frage, alle Unternehmen und gesellschaftlichen Institutionen müssten perspektivisch Strategien gegen den Fachkräftemangel entwickeln. Er stehe jedoch auf dem Standpunkt, dass Jugendliche über alle Aspekte eines Berufsbildes informiert werden sollten, damit sie eine unabhängige Entscheidung treffen könnten. Immerhin handele es sich dabei um eine Entscheidung, die sich auf das gesamte weitere Leben erheblich auswirke.

„Es ist nicht seriös“, so Brahms, „wenn die Bundeswehr Minderjährige anspricht und ihnen den Beruf des Soldaten als Abenteuerurlaub schildert“. So gehe sie aber vor, wenn sie 16-jährigen Schulabgängern systematisch Werbung per Post zuschicke oder ihnen in den sozialen Medien Abenteuer-Camps verspreche. „Ich habe mit zahlreichen Eltern gesprochen, die – wie ich finde zu Recht – verärgert sind, dass ihren Kindern ungeprüft vermeintlich verlockende Karrierechancen angeboten werden. In dem Rekrutierungsmaterial geht es um guten Verdienst, Aufstiegsmög­lich­keiten und Führungsverantwortung. Nur am Rande oder gar nicht ist von Auslandseinsätzen die Rede, vom Töten oder der Gefahr für das eigene Leben und die seelische Gesundheit ganz zu schweigen.“

Deutliche Kritik übte Brahms am jüngsten Werbevideo der Bundeswehr. „Krieg und Auslandseinsätze als Party in der ‚coolen Berghütte’ zu tarnen und für diese Marketingaktion auch noch eine Medienpartnerschaft mit einer verkaufsstarken Jugendzeitschrift einzugehen, finde ich geschmacklos und auch in puncto Datenschutz äußerst fragwürdig. Es gibt ein paar Dutzend Plätze, aber eine Flut von Rückmeldungen. Auf diesen Kontakten zu interessierten Jugendlichen kann die Bundeswehr dann aufbauen.“

Der EKD-Friedensbeauftragte fordert die Bundeswehr dazu auf:

  • Die Rekrutierung Minderjähriger per Post, Facebook usw. oder mit Schulungs-Offizieren grundsätzlich einzustellen.
  • In ihren Informationsmaterialien die verpflichtenden Auslandseinsätze und deren mögliche Folgen klar zu benennen.
  • Die Adressdaten aller nach Medienberichten 800 an den „Adventure-Camps“ interessierten Jugendlichen aus ihren Systemen zu löschen.
  • Keine Medienpartnerschaften mit Magazinen, Hörfunk­sendern usw. einzugehen, die sich an Minderjährige richten.

Auch an die öffentliche Verwaltung richtete der EKD-Friedensbeauftragte einen Appell: „Die Bundeswehr versendet systematisch Werbematerial über öffentliche Rechenzentren, wo es dann mit den Daten der Meldebehörden versehen wird. Diese Post erhalten Familien ungewollt, es sei denn, Sie haben eine Datenübermittlungssperre beantragt und selbst diese wird zukünftig wenig nützen, sollte das umstrittene Meldegesetz in Kraft treten. „Dies ist ein Privileg, das ich bedenklich finde. Ferner können Lehrer an öffentlichen Schulen Jugend­offiziere einladen und Schulungsmaterial der Bundeswehr verwenden. Diese Materialien sind einseitig und aufwändig aus Steuermitteln finanziert. Friedensinitiativen können da nicht mithalten. Eine ausgewogene Meinungsbildung der Schülerinnen und Schüler über die Chancen und Risiken einer Bundeswehr-Karriere, die eben mehr ist als der Umgang mit faszinierender Technik und eine schicke Uniform, ist so nicht möglich. Wir als Kirche setzen uns für eine aktive Friedens­erziehung und eine kritische politische Bildung in den Schulen ein.“

(Pressestelle der Bremischen Evangelischen Kirche, 24.09.2012)

Internationaler Tag für die Abschaffung von Atomwaffen

Am 26. September 2015 ist der Internationale Tag für die Abschaffung von Atomwaffen. Die AGDF hat hierzu eine Pressemeldung veröffentlicht.

Schulen kooperieren mit Netzwerk Friedensbildung Rheinland-Pfalz - Vereinbarung für breitere politische Bildung unterzeichnet

Am 15. August 2011 wurde in Mainz die bundesweit erste Friedensbildungs-Kooperationsvereinbarung zwischen einem Bildungsministerium und einem Netzwerk von Friedensorganisationen unterzeichnet. Den Text der Vereinbarung und weitere Informationen finden Sie auf der neu eingerichteten Homepage des Netzwerks Friedensbildung Rheinland-Pfalz, dem auch unsere Arbeitsstelle Frieden und Umwelt angehört.

http://netzwerk-friedensbildung-rlp.de

Rheinland-pfälzische Kooperationsvereinbarung Kultusministerium - Bundeswehr

Am 25. Februar 2010 hat das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz mit dem Wehrbereichskommando II der Bundeswehr eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, die aus friedenspädagogischer Sicht zahlreiche Fragen aufwirft. Die folgende Stellungnahme weist auf grundlegende Defizite der Vereinbarung hin:

Anmerkungen zur Kooperationsvereinbarung zwischen dem rheinland-pfälzischen Kultusministerium und dem Wehrbereichskommando II der Bundeswehr (25.02.2010)

1. Die Kooperationsvereinbarung steht in deutlicher Spannung zum Rundschreiben „Friedenserziehung in der Schule“, das 1992 von der damaligen Kultusministerin Dr. Rose Götte erarbeitet wurde. Darin wird als Schritt zur „Verwirklichung einer Friedenskultur“ die plurale Auseinandersetzung mit Friedensfragen gefordert und die Einladung von Sachverständigen aus dem „Gesamtfeld der Friedenssicherungsaktivitäten“ empfohlen (was ausdrücklich auch die Vertreter von Kriegsdienstverweigerer- und Zivildienstorganisationen einschließt).

2. Schon lange haben die Jugendoffiziere der Bundeswehr weitgehende Möglichkeiten, „sicherheitspolitische Aufklärung und Information“ an Schulen zu leisten. Dazu bedürfte es keiner zusätzlichen Kooperationsvereinbarung. Neu ist, dass die hauptamtlichen Jugendoffiziere die sicherheitspolitischen Vorgaben des Verteidigungsministeriums und ihre „Erfahrungsteilhabe an der Institution Bundeswehr“ nun auch in die Ausbildung von Referendarinnen und Referendaren einbringen sollen. Ob diese Einbindung von Militärvertretern auch die examensrelevanten Teile der Lehrerausbildung betreffen soll, lässt die Kooperationsvereinbarung offen – dies wäre eine besonders sensible Fragestellung für Referendare, die zur großen Gruppe der anerkannten Kriegsdienstverweigerer gehören.

3. Probleme der Friedensgestaltung werden in unserer Gesellschaft kontrovers diskutiert. Für ein demokratisches Bildungsverständnis ist es daher unerlässlich, dass im Unterricht die Bandbreite der unterschiedlichen Positionen im Originalton zu Wort kommt. Schülerinnen und Schüler erhalten so die Möglichkeit, eine reflektierte, eigenständige Stellungnahme zu entwickeln. Eine mehr als problematische Engführung schulischer Bildung wäre es, wenn Fragen von Friedenspolitik und Konfliktbearbeitung einer militärpolitischen Deutungshoheit unterstellt würden.

4. Damit den Erfordernissen von pluraler Meinungsbildung und friedenspädagogischer Orientierung Rechnung getragen wird, reicht es nicht aus, dass Jugendoffiziere militär- oder kriegskritische Positionen möglicherweise selbst mit in die schulische Diskussion einbringen. Zu drängend und zu zahlreich sind die Fragen, zu deren Entfaltung auch die Vertreter alternativer friedenspolitischer Orientierungen zu hören sind. Themen, die hier nicht ausgeblendet werden dürfen, sind u.a. die Folgen deutscher Rüstungsexporte und -produktion, die diskussionsbedürftige Rolle unseres Bundeslandes als Drehscheibe weltweiter Militäreinsätze, das Missverhältnis zwischen den staatlichen Ausgaben für militärisches Handeln und zivile Konfliktvorsorge, der Vorrang der zivilen Konfliktprävention vor militärischer Intervention, die immer weniger konsensfähige Aufrechterhaltung der allgemeinen Wehrpflicht… Statt Lernenden die Brille des Verteidigungsministeriums zu verordnen, hat die staatliche Bildungsaufsicht hier die Pflicht, ihnen zur eigenständigen Auseinandersetzung mit den angesprochenen Problemfeldern zur verhelfen.

5. Zum jetzigen Zeitpunkt lässt die neue Kooperationsvereinbarung Kultusministerium-Bundeswehr eine Vernachlässigung elementarer Grundsätze befürchten, die für Bildung in einer pluralen Demokratie und für die friedenspädagogische Orientierung schulischen Lernens unverzichtbar sind. Diese Sorge bleibt bestehen, solange der privilegierte Zugang militärischer Vertreter zu den Bildungseinrichtungen unseres Landes nicht ergänzt wird durch Kooperationsvereinbarungen mit gesellschaftlichen Institutionen, die sich der zivilen Konfliktbearbeitung widmen (z.B. Entwicklungsdienste, Entsendeorganisationen für Friedensfachkräfte, Einrichtungen der Friedensforschung).

Speyer, den 26.02.2010
Pfarrer Friedhelm Schneider
Leiter der Arbeitsstelle Frieden und Umwelt
der Evang. Kirche der Pfalz

Minderjährige zur Bundeswehr? Eine Problemanzeige

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