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Synodenbeschlüsse zum Thema Frieden

Entschließung zur EKD-Friedensdenkschrift (05/2008)

1. Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz dankt dem Rat der EKD für die umfassende friedensethische Bestandsaufnahme, die er mit der Denkschrift „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“ vorgelegt hat. Die Synode begrüßt das Anliegen, Fragen der friedensethischen Orientierung verstärkt in die kirchliche und gesellschaftliche Reflexion einzubringen. Sie empfiehlt die Beschäftigung mit den Aussagen der Friedensdenkschrift im Rahmen der landeskirchlichen Bildungsarbeit auf gemeindlicher, schulischer und gesamtkirchlicher Ebene.

2. In Übereinstimmung mit den Grundaussagen der neuen EKD-Friedensdenkschrift unterstreicht die Landessynode den Leitgedanken des gerechten Friedens ebenso wie die Notwendigkeit der Gewaltprävention und den Vorrang der zivilen Konfliktbearbeitung. Mit großer Sorge beobachtet sie politische Entwicklungen, die diesen Grundsätzen zuwiderlaufen:

  • Obwohl Rüstungsexporte zur Friedensgefährdung beitragen, nimmt Deutschland auf der Rangliste der Rüstungsexportnationen seit Jahren einen Platz im vorderen Bereich ein1 . Ein hoher Anteil deutscher Rüstungsexporte geht in Entwicklungsländer2. Deutsche Waffenlieferungen finden sich in Spannungsgebieten ebenso wie in Ländern mit unzureichenden Menschenrechtsstandards. Entgegen dem Gebot parlamentarischer Kontrolle und Transparenz sind Debatten über die deutsche Rüstungsexportpraxis im Deutschen Bundestag nicht zu verzeichnen.
  • Nach wie vor besteht ein eklatantes Missverhältnis zwischen dem Budget, das für militärische Einsätze bereitgestellt wird, und den Mitteln, die die Träger ziviler Konfliktbearbeitung erhalten3. Noch kann, wie die Friedensdenkschrift zutreffend feststellt, in Deutschland „nicht davon die Rede sein, dass sich die politische Gesamtausrichtung von der Perspektive der zivilen Konfliktbearbeitung leiten lässt.“
  • Auch auf EU-Ebene ist bisher der Wille nicht erkennbar, neben der rein militärisch ausgerichteten EU-Verteidigungsagentur eine politisch entsprechend hoch angesiedelte Agentur einzurichten, die zivilgesellschaftliche Kompetenzen zur zivilen Konfliktbearbeitung bündelt und ausbaut.

3. Die Landssynode appelliert an die politisch Verantwortlichen, für eine friedenspolitische Kurskorrektur einzutreten, die eine restriktive Rüstungsexportpraxis sicherstellt und im Sinne einer nachhaltigen Friedensgestaltung den Vorrang der zivilen Konfliktbearbeitung konzeptionell, finanziell und personell umsetzt.

Die Mitglieder der Kirchengemeinden werden gebeten, diese Themen im Vorfeld der nächsten Bundestagswahlen zur Sprache zu bringen.

Der Kirchenpräsident wird beauftragt, den Pfälzer Bundestags- und Europa-Abgeordneten die vorliegende Entschließung zu übermitteln.

[Einstimmig beschlossen durch die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz am 31.05.2008]

1 Nach dem Rüstungsexportbericht 2007 der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung war Deutschland 2006 der größte Rüstungsexporteur in der EU.
2 2006: 23% (laut GKKE-Rüstungsexportbericht 2007)
3 z.B. zahlt Deutschland 530 Millionen Euro jährlich für den Militäreinsatz in Afghanistan, aber nur 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau (2007).   9.000 deutschen Soldaten in aller Welt stehen 285 zivile Friedensfachkräfte gegenüber. Die staatlichen Aufwendungen für Maßnahmen und Programme Ziviler Friedensdienste betragen gerade einmal 17 Millionen Euro im Jahr (2007).

Internationale Ökumenische Erklärung zum gerechten Frieden (11/2009)

Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz begrüßt das Vorhaben des Ökumenischen Rates der Kirchen, zum Ende der Dekade zur Überwindung von Gewalt (2001 – 2010) eine Internationale Ökumenische Erklärung zum gerechten Frieden zu erarbeiten. Sie unterstützt den ÖRK-Aufruf, den Entwicklungsprozess dieser Erklärung durch Kommentare und Stellungnahmen mitzugestalten, und beschließt folgendes Votum:

Die geplante Internationale Ökumenische Erklärung zum gerechten Frieden sollte an die vielfältigen Reflexionen und Erfahrungen anknüpfen, die die Dekade zur Überwindung von Gewalt hervorgebracht hat. Zugleich sollte sie deutlich machen, dass auch nach dem Ablauf der Dekade die Überwindung von Gewalt als zentrales Anliegen christlicher Theologie und Lebenspraxis weltweit auf der Tagesordnung von Christinnen und Christen bleiben muss.

Der vorliegende erste Entwurf einer Internationalen Ökumenischen Friedenserklärung bündelt Themen und Einsichten, die auch in der Pfälzischen Landeskirche die Gestaltung der Anti-Gewalt-Dekade geprägt haben: Dazu gehört die Erkenntnis, dass der Friede im Kleinen und der Friede im Großen nicht gegen einander ausgespielt werden dürfen. Innere Friedfertigkeit und der Aufbau gerechter Strukturen bedingen einander. Entsprechend gilt es, die große Bandbreite personaler, struktureller und kultureller Gewaltformen kritisch wahrzunehmen.

Innerhalb dieses Spektrums hat sich die Dekade-Arbeit unserer Landeskirche u.a. mit Fragen der Mediengewalt und mit den pädagogischen Möglichkeiten der Gewaltprävention befasst. Die Menschenverachtung rechtsextremer Gewaltparolen wurde ebenso in den Blick genommen wie lebensfeindliche Globalisierungsmechanismen und die zerstörerischen Folgen von Kriegen, die über Militärstützpunkte unserer Region Nachschub erhalten. Nicht zuletzt galt der Gewalt zwischen den Geschlechtern besondere Aufmerksamkeit.

Deshalb sieht die Landessynode es als bleibende Aufgabe kirchlicher Arbeit, der Gewöhnung an Gewalt entgegenzuwirken. Christliche Bewusstseinsbildung stärkt die Empfindsamkeit für Gewalt und ihre Auswirkungen. Christinnen und Christen widersetzen sich dem verbreiteten Trend, Gewaltfolgen zu verharmlosen, Gewaltschwellen zu senken oder Gewalt als unabänderlich hinzunehmen. Dies gilt auch im Blick auf Eingriffe in die Schöpfung, die dazu führen, dass ein lebensbedrohlicher Klimawandel vorangetrieben wird und dass die Auseinandersetzungen um knapper werdende Ressourcen sich zuspitzen.

Die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz hofft, dass der Vorrang der zivilen Konfliktbearbeitung und die Notwendigkeit eines konsequent nachhaltigen Umgangs mit der Schöpfung zu den wesentlichen Aussagen der Internationalen Ökumenischen Friedenserklärung gehören werden.

[Beschlossen durch die Landesynode der Evangelischen Kirche der Pfalz am 14.11.2009]

Botschaft der Friedenskonvokation (05/2011)

Die Synode der Evangelischen Kirche der Pfalz (Prot. Landeskirche) nimmt die Botschaft der ökumenischen Friedenskonvokation als Ermutigung auf und begreift ihre Aussagen als Verpflichtung für das weltweite Engagement für Frieden und Gewaltüberwindung. Die Synode würdigt das Engagement im Bereich der Evangelischen Kirche der Pfalz (Prot. Landeskirche) in den 10 Jahren der Dekade als erste wichtige Schritte, die über die Dekade hinaus weitergeführt werden müssen. Sie hält es für unabdingbar, die Aussagen der Konvokation für die Evangelische Kirche der Pfalz (Prot. Landeskirche) zu konkretisieren und darüber verstärkt den Dialog mit Politik und Wirtschaft zu suchen. Dazu bedarf es einer auf Dauer angelegten Verankerung und Arbeitsstruktur.

[Beschlossen durch die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz am 27.5.2011]

Die Botschaft der Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation (Kingston, 24. Mai 2011) kann hier heruntergeladen werden.

Friedensarbeit (05/2014)

Mit Anerkennung und Dankbarkeit für die geleistete Arbeit hat die Synode den Bericht der Arbeitsstelle Frieden und Umwelt entgegengenommen.

Die Synode bekräftigt, dass die friedensethische Arbeit der Landeskirche eine dauerhafte Querschnittsaufgabe darstellt, die auf die Fachexpertise und Koordinationsfunktion einer dafür beauftragen Stelle angewiesen ist.

Die Verankerung friedensethischer Aspekte in der Vikarsausbildung sowie in der Fort- und Weiterbildung sind Voraussetzung für die gesellschaftliche Dialogfähigkeit zu gewaltfreien Konfliktlösungsstrategien.

Die Synode bittet die Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen, sich immer wieder neu der christlichen Friedensbotschaft zu vergewissern und der zunehmenden Akzeptanz für militärische Interventionen und gewaltsame Konfliktlösungen entgegen zu wirken.

Begründung: 
Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung sind Grundanliegen kirchlichen Handelns. Die Friedensarbeit der Landeskirche steht vor personellen Veränderungen und ihre weitere Ausgestaltung soll gewährleistet werden.

[Einstimmig beschlossen durch die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz am 24.05.2014]

Eine Übersicht über Pfälzer Synodenerklärungen zum Thema Frieden für den Zeitraum 1999 – 2009 bietet der Artikel „Worte mit Haltbarkeitsdatum“ unter
https://www.evkirchepfalz.de/landeskirche/positionen/frieden.html.

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