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Kriegsdienstverweigerung in Europa

Auch wenn auf gesamteuropäischer Ebene die Wehrpflicht zum Auslaufmodell geworden ist, bleiben zahlreiche Probleme bestehen, wo es um Kriegsdienstverweigerer in der Berufsarmee, um Kriegsdienstverweigerer als Asylsuchende oder um Minderjährige als Adressaten problematischer Rekrutierungspraktiken geht. Einen Überblick über die Situation der Kriegsdienstverweigerer in Europa gibt der aktuelle Jahresbericht des Europäischen Büros für Kriegsdienstverweigerung (EBCO).

Download EBCO-Report 2013

Download EBCO-Report 2014

Download EBCO-Report 2015

Download EBCO-Report 2016 mit Vorwort

Um die europäische Entwicklung des Menschenrechts auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen geht es in dem folgenden Artikel, der auch Folgen der Wehrpflicht-Aussetzung für die kirchliche Friedensarbeit zu Sprache bringt.

Artikel Kirchliche Friedensarbeit

Türkischer Pfarrer verweigert den Kriegsdienst

Kerem Koc
Kerem Koc

Fürsprache und Fürbitte für Kerem Koç

„Ich will nicht Teil einer Armee sein. Menschen, nach Gottes Ebenbild geschaffen, sind wichtiger als politische Grenzen oder ethnisch einheitlich besiedelte Gebiete. Sie sollten in Frieden zusammen leben.“ Auf diese Überzeugung gründet Kerem Koç, Pfarrer der kleinen evangelischen Gemeinde in Antalya (Türkei), seine Weigerung, der Einberufung zum Militärdienst nachzukommen. Koç ist ausdrücklich bereit, einen zivilen Dienst zu leisten, den er mit seinem Gewissen als Christ vereinbaren kann. Seit er den türkischen Militärbehörden seine Kriegsdienstverweigerung mitgeteilt hat, ist Kerem Koç zur Zielscheibe nationalistischer Kreise geworden. Er und seine Familie sehen sich Gewaltandrohungen und Beschimpfungen als Verräter ausgesetzt. Zudem muss Koç jederzeit damit rechnen, angeklagt und inhaftiert zu werden, denn die Türkei ist der einzige Europarats-Mitgliedsstaat, in dem es weder ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung noch einen Zivildienst gibt. Wiederholt hat der Europäische Menschenrechtsgerichtshof die Türkei wegen der Mehrfachbestrafung und Misshandlung von Kriegsdienstgegnern verurteilt und die Regierung aufgefordert, dem Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen Geltung zu verschaffen. 

Für Pfarrer Friedhelm Schneider, Leiter der Speyerer Arbeitsstelle Frieden und Umwelt und Vorsitzender des Europäischen Büros für Kriegsdienstverweigerung, zeigt das Beispiel von Kerem Koç einmal mehr, wie dringlich in Menschenrechtsfragen die politische Einflussnahme auf die türkische Regierung bleibt. „Es ist absolut inakzeptabel“, urteilt Schneider, „dass ein Beitrittskandidat der Europäischen Union, die gerade Friedensnobelpreisträger wurde, das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung dauerhaft missachtet.“

Die Information über Kerem Koç’s bedrohliche Lage wird inzwischen europaweit unter kirchlichen und politischen Organisationen verbreitet. In der Pfalz bat Pfarrer Schneider darum, Kerem Koç und seine Familie in die gottesdienstlichen Fürbitten einzubeziehen. Neben den Rückmeldungen verschiedener Kollegen und Friedensgruppen erhielt er auch eine Nachricht von Pfarrer Koç aus Antalya: „Wir fühlen uns wirklich allein. Aber es ist wunderbar zu wissen, dass Menschen in Europa für uns beten. Wir haben einen großen Gott, und wenn er nicht mit uns wäre, könnten wir diese belastende Zeit nicht aushalten.“

F.S.

Aus dem Schreiben von Kerem Koç an die türkischen Militärbehörden:

„Ich bete dafür, dass der Hass und die Wut aufhören, die seit so vielen Jahren unter uns existieren. Dann könnten Türken und Kurden, Alewiten und Sunniten, Muslime und Christen in Frieden zusammen leben. Sie könnten einander achten und lieben in einem Land, in dem alle Rassen, Religionen und Sprachen gleich behandelt werden und wo niemand mehr seinen Menschenbruder tötet.

Nach der Botschaft der Heiligen Schrift lebt ein Christ in dieser Welt, aber er ist nicht von dieser Welt. Deshalb kann ich mich nationalistischen Parolen nicht beugen – wie dem Spruch „Jeder Türke wird als Soldat geboren.“ Und ich kann mich Denkweisen nicht fügen, die Land und Fahne über Menschenleben stellen oder die nur diejenigen als Helden betrachten, die zu sterben oder andere zu töten bereit sind...“

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